00:00:02
Meine Mutter kam im Jahr 1922
in Bulgarien zur Welt.00:00:07
00:00:07
In den frühen 50er-Jahren00:00:09
00:00:09
ist meine Familie
dann von Deutschland00:00:11
00:00:11
in die Vereinigten Staaten
ausgewandert.00:00:14
00:00:14
Wir haben uns in
New York City niedergelassen00:00:16
00:00:17
und dort hat meine Mutter
die Wahrheit kennengelernt.00:00:19
00:00:19
Da hab ich zum ersten Mal
eine Bibel aufgeschlagen.00:00:23
00:00:23
Ich weiß noch,
das war Offenbarung 21.00:00:27
00:00:27
Der Gedanke,
der mich begeistert hat, war,00:00:31
00:00:31
dass es keine Krankheit
mehr geben wird,00:00:34
00:00:34
kein Leid und keinen Tod.00:00:37
00:00:37
Wenn man die Wahrheit gefunden hat,00:00:40
00:00:40
dann will man sie auch
mit seiner Familie teilen.00:00:42
00:00:42
Ich wollte ihnen unbedingt
von der Wahrheit erzählen.00:00:46
00:00:47
Ich wollte ihnen erklären,
wie sie frei werden können00:00:51
00:00:51
von der Bedrückung
durch Krankheit und Tod.00:00:56
00:00:56
Sie sah, wie gut es wäre,00:00:58
00:00:58
wenn es auch auf Bulgarisch
Literatur gäbe.00:01:01
00:01:01
Und hat sich das sehr gewünscht.00:01:03
00:01:04
Es ergab sich,00:01:05
00:01:05
dass sie mit den Brüdern
in Brooklyn darüber sprechen konnte,00:01:09
00:01:09
und sie bot ihnen an,00:01:10
00:01:10
Literatur ins Bulgarische
zu übersetzen.00:01:13
00:01:13
Die Brüder waren damit einverstanden,00:01:15
00:01:16
und sie konnte
mit einigen Traktaten anfangen.00:01:19
00:01:21
Bulgarien war ein
kommunistisches Land00:01:23
00:01:23
hinter dem Eisernen Vorhang.00:01:25
00:01:25
Literatur über Gott und die Bibel00:01:27
00:01:27
war dort überhaupt nicht erwünscht –
sie war verboten –00:01:31
00:01:31
man konnte sie also nicht
einfach per Post schicken.00:01:34
00:01:34
Als es dann Literatur
in Bulgarisch gab,00:01:37
00:01:37
musste sie irgendwie
ins Land gebracht werden.00:01:39
00:01:39
Unter anderem war auch
unsere Familie bereit, das zu tun.00:01:44
00:01:44
Mit dem Zug sind wir
nach Bulgarien eingereist.00:01:47
00:01:47
Wir hatten jede Menge Gepäck,00:01:49
00:01:49
denn jedes Mal, wenn wir
nach Bulgarien gefahren sind,00:01:52
00:01:52
sind wir zweieinhalb
Monate geblieben,00:01:54
00:01:54
den ganzen Sommer.00:01:56
00:01:57
Und in diesem Gepäck00:01:59
00:01:59
hatten wir an ganz
verschiedenen Stellen00:02:02
00:02:03
Literatur versteckt.00:02:05
00:02:05
Die Einreise mit verbotener Literatur00:02:09
00:02:09
bringt durchaus so manche
Probleme und Gefahren mit sich.00:02:13
00:02:13
Sie wussten,
dass wir Literatur dabei haben,00:02:16
00:02:16
eben unsere Traktate.00:02:18
00:02:18
Meine Mutter erkannte,
dass man uns durchsuchen würde.00:02:22
00:02:23
Uns blieb gerade noch genug Zeit,00:02:26
00:02:26
die Literatur aus den
verschiedenen Taschen,00:02:28
00:02:28
in denen wir sie versteckt hatten,
herauszunehmen00:02:31
00:02:31
und in ein kleines
Köfferchen zu packen.00:02:34
00:02:35
Das, was dort
nicht hineingepasst hat,00:02:38
00:02:38
ungefaltete Traktate zum Beispiel,00:02:41
00:02:41
legten wir über unseren Arm00:02:42
00:02:42
und versteckten es
unter unseren Jacken.00:02:45
00:02:45
Mein einziger Gedanke war:00:02:47
00:02:47
„Wie kann ich diese
Literatur verstecken,00:02:50
00:02:51
damit sie nicht gefunden wird?“00:02:53
00:02:53
Hätten sie sie nämlich entdeckt,
wäre das schlimm für uns ausgegangen.00:02:58
00:02:58
Als die Beamten
das Gepäck durchsuchten,00:03:00
00:03:01
haben sie alles durchwühlt.00:03:02
00:03:02
Die haben nichts
wieder zusammengelegt.00:03:04
00:03:04
Meine Mutter hat sie dann
geistesgegenwärtig gefragt:00:03:07
00:03:07
„Kann ich schon mal dort rübergehen00:03:09
00:03:09
und das Durcheinander
wieder in Ordnung bringen?“00:03:12
00:03:12
Und sie sagten:
„Na gut.“00:03:15
00:03:15
Also hab ich die Traktate genommen,00:03:18
00:03:18
die ich über dem Arm hatte,00:03:20
00:03:20
und sie schnell
in die Tasche gesteckt,00:03:23
00:03:23
die sie schon durchsucht hatten.00:03:26
00:03:26
Dann war schließlich
mein kleiner Koffer an der Reihe.00:03:31
00:03:32
Der Beamte sagte:00:03:34
00:03:34
„Der ist so klein,
da kann überhaupt nichts drin sein.“00:03:38
00:03:38
Und er stellte ihn einfach weg.00:03:40
00:03:41
Der Mann, der für die Durchsuchung
zuständig war, wurde ganz nervös.00:03:46
00:03:46
Er wusste, wir hatten etwas,00:03:48
00:03:48
aber er konnte es
einfach nicht finden.00:03:51
00:03:54
Jahre später ist meine Mutter einmal
alleine nach Bulgarien gereist.00:03:58
00:03:59
An der Grenze hat man Literatur
bei ihr gefunden.00:04:03
00:04:03
Sie wurde festgenommen
und eingesperrt.00:04:07
00:04:08
Dann wurde sie mindestens
zwei Wochen lang jeden Tag verhört.00:04:13
00:04:14
Irgendwann hat die bulgarische
Regierung dann ihre Meinung geändert00:04:18
00:04:18
und es wurde entschieden, dass sie,
weil sie keine Staatsbürgerin war,00:04:22
00:04:22
des Landes verwiesen werden sollte.00:04:24
00:04:27
Bis heute hat meine Mutter
ganz feste Gewohnheiten,00:04:30
00:04:31
wenn es um ihren Glauben geht.00:04:32
00:04:33
Sie ist bei den Zusammenkünften,00:04:35
00:04:35
bereitet sich vor,
liest in der Bibel00:04:38
00:04:38
und spricht begeistert
mit anderen über Jehova.00:04:41
00:04:41
Die Wahrheit hilft mir im Grunde
in jeder Minute meines Lebens.00:04:47
00:04:47
Und ich möchte jedes bisschen Kraft,
das ich noch habe,00:04:52
00:04:52
dazu verwenden,
sein Vorhaben bekannt zu machen.00:04:56
Maria Kaloyanoff: „Gott als Herrscher gehorchen“
-
Maria Kaloyanoff: „Gott als Herrscher gehorchen“
Meine Mutter kam im Jahr 1922
in Bulgarien zur Welt.
In den frühen 50er-Jahren
ist meine Familie
dann von Deutschland
in die Vereinigten Staaten
ausgewandert.
Wir haben uns in
New York City niedergelassen
und dort hat meine Mutter
die Wahrheit kennengelernt.
Da hab ich zum ersten Mal
eine Bibel aufgeschlagen.
Ich weiß noch,
das war Offenbarung 21.
Der Gedanke,
der mich begeistert hat, war,
dass es keine Krankheit
mehr geben wird,
kein Leid und keinen Tod.
Wenn man die Wahrheit gefunden hat,
dann will man sie auch
mit seiner Familie teilen.
Ich wollte ihnen unbedingt
von der Wahrheit erzählen.
Ich wollte ihnen erklären,
wie sie frei werden können
von der Bedrückung
durch Krankheit und Tod.
Sie sah, wie gut es wäre,
wenn es auch auf Bulgarisch
Literatur gäbe.
Und hat sich das sehr gewünscht.
Es ergab sich,
dass sie mit den Brüdern
in Brooklyn darüber sprechen konnte,
und sie bot ihnen an,
Literatur ins Bulgarische
zu übersetzen.
Die Brüder waren damit einverstanden,
und sie konnte
mit einigen Traktaten anfangen.
Bulgarien war ein
kommunistisches Land
hinter dem Eisernen Vorhang.
Literatur über Gott und die Bibel
war dort überhaupt nicht erwünscht –
sie war verboten –
man konnte sie also nicht
einfach per Post schicken.
Als es dann Literatur
in Bulgarisch gab,
musste sie irgendwie
ins Land gebracht werden.
Unter anderem war auch
unsere Familie bereit, das zu tun.
Mit dem Zug sind wir
nach Bulgarien eingereist.
Wir hatten jede Menge Gepäck,
denn jedes Mal, wenn wir
nach Bulgarien gefahren sind,
sind wir zweieinhalb
Monate geblieben,
den ganzen Sommer.
Und in diesem Gepäck
hatten wir an ganz
verschiedenen Stellen
Literatur versteckt.
Die Einreise mit verbotener Literatur
bringt durchaus so manche
Probleme und Gefahren mit sich.
Sie wussten,
dass wir Literatur dabei haben,
eben unsere Traktate.
Meine Mutter erkannte,
dass man uns durchsuchen würde.
Uns blieb gerade noch genug Zeit,
die Literatur aus den
verschiedenen Taschen,
in denen wir sie versteckt hatten,
herauszunehmen
und in ein kleines
Köfferchen zu packen.
Das, was dort
nicht hineingepasst hat,
ungefaltete Traktate zum Beispiel,
legten wir über unseren Arm
und versteckten es
unter unseren Jacken.
Mein einziger Gedanke war:
„Wie kann ich diese
Literatur verstecken,
damit sie nicht gefunden wird?“
Hätten sie sie nämlich entdeckt,
wäre das schlimm für uns ausgegangen.
Als die Beamten
das Gepäck durchsuchten,
haben sie alles durchwühlt.
Die haben nichts
wieder zusammengelegt.
Meine Mutter hat sie dann
geistesgegenwärtig gefragt:
„Kann ich schon mal dort rübergehen
und das Durcheinander
wieder in Ordnung bringen?“
Und sie sagten:
„Na gut.“
Also hab ich die Traktate genommen,
die ich über dem Arm hatte,
und sie schnell
in die Tasche gesteckt,
die sie schon durchsucht hatten.
Dann war schließlich
mein kleiner Koffer an der Reihe.
Der Beamte sagte:
„Der ist so klein,
da kann überhaupt nichts drin sein.“
Und er stellte ihn einfach weg.
Der Mann, der für die Durchsuchung
zuständig war, wurde ganz nervös.
Er wusste, wir hatten etwas,
aber er konnte es
einfach nicht finden.
Jahre später ist meine Mutter einmal
alleine nach Bulgarien gereist.
An der Grenze hat man Literatur
bei ihr gefunden.
Sie wurde festgenommen
und eingesperrt.
Dann wurde sie mindestens
zwei Wochen lang jeden Tag verhört.
Irgendwann hat die bulgarische
Regierung dann ihre Meinung geändert
und es wurde entschieden, dass sie,
weil sie keine Staatsbürgerin war,
des Landes verwiesen werden sollte.
Bis heute hat meine Mutter
ganz feste Gewohnheiten,
wenn es um ihren Glauben geht.
Sie ist bei den Zusammenkünften,
bereitet sich vor,
liest in der Bibel
und spricht begeistert
mit anderen über Jehova.
Die Wahrheit hilft mir im Grunde
in jeder Minute meines Lebens.
Und ich möchte jedes bisschen Kraft,
das ich noch habe,
dazu verwenden,
sein Vorhaben bekannt zu machen.
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